Von der petklar-Redaktion · Zuletzt aktualisiert: 27.07.2026
📌 Kurz & knapp Katzen sind strikte Fleischfresser (Carnivoren) und brauchen von Natur aus nur wenig Kohlenhydrate. Getreidefreies Futter ist bei Katzen deshalb plausibler als beim Hund – aber Vorsicht: „getreidefrei“ heißt nicht automatisch kohlenhydratarm. Oft ersetzen Kartoffeln, Erbsen oder Tapioka das Getreide. Entscheidend sind nicht das Wort „getreidefrei“ auf der Packung, sondern ein hoher Fleischanteil, ein niedriger Kohlenhydratanteil und ausreichend Taurin. Eine echte Getreideunverträglichkeit ist bei Katzen selten.
Kaum ein Begriff prangt so oft auf Katzenfutter-Verpackungen wie „getreidefrei“ – meist mit dem Versprechen, besonders artgerecht zu sein. Aber steckt dahinter echte Ernährungslogik oder cleveres Marketing? Dieser Fakten-Check trennt für dich sachlich das eine vom anderen.
Warum ist getreidefreies Futter bei Katzen überhaupt ein Thema?
Weil die Katze ein strikter Fleischfresser ist. Anders als der Hund (ein Allesfresser) ist ihr Stoffwechsel evolutionär auf Beutetiere ausgelegt – also auf Protein und Fett, kaum auf pflanzliche Kohlenhydrate. Getreide gehört nicht zur natürlichen Beute einer Katze.
Der Verdauungstrakt der Katze unterstreicht das: Ihr fehlt das Enzym Amylase im Speichel, das Stärke schon im Maul aufspaltet. Auch die Fähigkeit, große Mengen Kohlenhydrate zu verwerten, ist begrenzt. Katzen decken ihren Energiebedarf am liebsten aus Eiweiß und Fett.
Deshalb ist der Gedanke „weniger Getreide = artgerechter“ bei Katzen grundsätzlich nachvollziehbarer als beim Hund. Der Denkfehler beginnt erst dort, wo „getreidefrei“ mit „automatisch gesund“ oder „automatisch kohlenhydratarm“ gleichgesetzt wird.
„Getreidefrei“ heißt nicht „kohlenhydratarm“
Das ist der wichtigste Punkt des ganzen Artikels. Getreidefrei sagt nur aus, was NICHT drin ist – nicht, was stattdessen drin ist. Damit ein Trockenfutter überhaupt seine Form (Kroketten) hält, braucht es Stärke als Bindemittel. Fällt das Getreide weg, muss ein anderer Kohlenhydratträger her.
Typische Ersatzstoffe in „getreidefreiem“ Futter:
| Statt Getreide … | … oft enthalten | Kohlenhydratgehalt |
|---|---|---|
| Weizen, Mais, Reis | Kartoffeln | hoch |
| Süßkartoffeln | hoch | |
| Erbsen / Hülsenfrüchte | mittel–hoch | |
| Tapioka / Maniok | hoch | |
| Kürbis, Karotte | mittel |
Das Ergebnis: Ein „getreidefreies“ Trockenfutter kann genauso viele oder sogar mehr Kohlenhydrate enthalten als ein Futter mit etwas Reis. Die Marketing-Aussage auf der Vorderseite ändert nichts an der tatsächlichen Nährstoffbilanz.
Praxis-Tipp: Lass dich vom Wort „getreidefrei“ nicht blenden. Es ist ein Weglass-Versprechen, kein Qualitätssiegel. Ausschlaggebend ist der Blick auf die Zutatenliste und die analytischen Bestandteile – dazu unten mehr.
Worauf du bei Katzenfutter wirklich achten solltest
Direkt gesagt: Getreidefrei ja oder nein ist zweitrangig. Wichtiger sind drei Dinge – hoher Fleischanteil, niedriger Kohlenhydratanteil und eine gesicherte Taurin-Versorgung.
1. Hoher Fleisch- bzw. tierischer Anteil
Fleisch (oder Fisch) sollte an erster Stelle der Zutatenliste stehen. Gute Nassfutter geben einen konkreten Fleischanteil an – häufig 60–90 %. Achte auf klare Angaben wie „65 % Huhn“ statt schwammiger Formulierungen wie „tierische Nebenerzeugnisse“ ohne Mengenangabe.
2. Niedriger Kohlenhydratanteil
Der Kohlenhydratgehalt steht selten direkt auf der Packung – du kannst ihn aber aus den analytischen Bestandteilen grob überschlagen (Rechnung siehe unten). Als Orientierung gilt bei Katzen ein Kohlenhydratanteil von unter ~10 % in der Trockenmasse als günstig. Nassfutter liegt hier fast immer besser als Trockenfutter.
3. Ausreichend Taurin
Taurin ist eine Aminosäure, die Katzen – anders als viele andere Tiere – nicht ausreichend selbst bilden können. Ein Mangel kann zu schweren Herz- und Augenschäden führen. Vollwertiges Alleinfuttermittel enthält daher immer zugesetztes oder natürlich reichlich vorhandenes Taurin (Muskelfleisch, Herz). Ein Blick auf „Alleinfuttermittel für Katzen“ nach FEDIAF-Standard stellt sicher, dass Taurin und andere kritische Nährstoffe abgedeckt sind.
Wie lese ich die Deklaration richtig?
Direkt beantwortet: Prüfe die Zutatenreihenfolge, achte auf konkrete Fleisch-Prozente und schätze über die analytischen Bestandteile den Kohlenhydratanteil. So gehst du Schritt für Schritt vor:
- Zutatenliste checken: Steht eine benannte tierische Quelle („Huhn“, „Rind“, „Lachs“) an erster Stelle? Gut. Steht dort zuerst Mais, Kartoffel oder „pflanzliche Nebenerzeugnisse“, ist das ein Warnsignal.
- Fleischanteil suchen: Gibt es eine Prozentangabe? Je konkreter und höher, desto besser.
- „Offene Deklaration“ bevorzugen: Einzeln aufgeführte Zutaten mit Mengen sind transparenter als Sammelbegriffe wie „Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse“.
- Kohlenhydrate überschlagen: In den analytischen Bestandteilen findest du Protein, Fett, Rohfaser, Rohasche und Feuchtigkeit. Ziehe die Summe dieser Werte plus einen Standard von 100 ab – der Rest ist grob der Kohlenhydratanteil (NfE).
- Alleinfuttermittel? Der Begriff garantiert, dass alle lebensnotwendigen Nährstoffe (inkl. Taurin) enthalten sind. „Ergänzungsfuttermittel“ ist nicht für die Dauerfütterung allein gedacht.
Rechenbeispiel: Ein Nassfutter gibt an: 10 % Protein, 6 % Fett, 0,5 % Rohfaser, 2 % Rohasche, 80 % Feuchtigkeit. Summe = 98,5 %. Rest zu 100 % = 1,5 % Kohlenhydrate – ein sehr guter, katzengerechter Wert.
Braucht meine Katze eine Getreideunverträglichkeit als Grund?
Direkt beantwortet: Nein, eine echte Getreideunverträglichkeit ist bei Katzen selten – und noch seltener der eigentliche Auslöser von Futterproblemen. Wenn Katzen auf Futter mit Juckreiz, Durchfall oder Erbrechen reagieren, steckt weit häufiger eine Allergie gegen ein tierisches Eiweiß (z. B. Huhn oder Rind) dahinter als gegen Getreide.
Das bedeutet: Getreidefreies Futter „vorsorglich“ zu kaufen, obwohl deine Katze gesund ist und ihr aktuelles Futter gut verträgt, bringt keinen belegten Zusatznutzen. Es schadet in der Regel auch nicht – aber es ist kein medizinisches Muss.
Besteht ein echter Verdacht auf eine Futtermittelunverträglichkeit, ist der richtige Weg keine Selbstdiagnose im Regal, sondern eine tierärztlich begleitete Ausschlussdiät. Nur so lässt sich der Auslöser sauber bestimmen.
🩺 Wann zum Tierarzt? Wenn deine Katze anhaltend Durchfall, Erbrechen, starken Juckreiz, kahle Stellen oder Gewichtsverlust zeigt, ist das ein Fall für die Tierarztpraxis – nicht für einen eigenmächtigen Futterwechsel. Auch bei Übergewicht, Diabetes oder Nierenerkrankung sollte die Ernährung tierärztlich abgestimmt werden. Getreidefrei allein ist keine Therapie.
Mythos vs. Fakt: der ehrliche Überblick
| Aussage | Bewertung |
|---|---|
| „Getreide ist reiner Füllstoff und schädlich für Katzen.“ | Teils Mythos. In Maßen ist Getreide verwertbar; problematisch sind eher hohe Gesamt-Kohlenhydratmengen – egal aus welcher Quelle. |
| „Getreidefrei = automatisch kohlenhydratarm.“ | Mythos. Kartoffeln und Erbsen können genauso viele Kohlenhydrate liefern. |
| „Katzen brauchen kaum Kohlenhydrate.“ | Fakt. Als Carnivoren decken sie ihren Bedarf aus Protein und Fett. |
| „Getreidefreies Futter beugt Allergien vor.“ | Meist Mythos. Häufigste Auslöser sind tierische Eiweiße, nicht Getreide. |
| „Ein hoher Fleischanteil ist wichtiger als das Label ‚getreidefrei‘.“ | Fakt. Fleischanteil, Kohlenhydratgehalt und Taurin zählen. |
Fazit
Getreidefreies Katzenfutter ist weder ein Wundermittel noch reiner Betrug. Weil Katzen Fleischfresser sind, ist ein niedriger Getreideanteil sinnvoller als beim Hund – aber das Label allein sagt wenig aus. Entscheidend sind hoher Fleischanteil, niedriger Kohlenhydratanteil und gesicherte Taurin-Versorgung. Lerne, die Deklaration zu lesen: Ein gutes Nassfutter mit klarer Fleischangabe schlägt jedes bunte „getreidefrei“-Etikett. Im Zweifel oder bei Beschwerden entscheidet nicht das Regal, sondern deine Tierarztpraxis.
FAQ – Häufige Fragen
Ist getreidefreies Katzenfutter gesünder? Nicht automatisch. Der Gesundheitswert hängt vom Fleischanteil, dem Gesamt-Kohlenhydratgehalt und der Nährstoffversorgung ab – nicht davon, ob Getreide fehlt. Ein getreidefreies Futter mit viel Kartoffel kann schlechter sein als ein Futter mit etwas Reis und hohem Fleischanteil.
Brauchen Katzen überhaupt Getreide? Nein, Katzen haben keinen zwingenden Bedarf an Getreide. Sie benötigen aber auch nur wenig Kohlenhydrate insgesamt. Kleine Mengen gut aufgeschlossenes Getreide sind unproblematisch, ein hoher Kohlenhydratanteil aus jeder Quelle ist eher ungünstig.
Woran erkenne ich kohlenhydratarmes Katzenfutter? An einer Zutatenliste mit Fleisch an erster Stelle, hohem Fleischanteil und wenig pflanzlichen Sättigungskomponenten. Über die analytischen Bestandteile lässt sich der Kohlenhydratanteil grob berechnen. Nassfutter ist meist deutlich kohlenhydratärmer als Trockenfutter.
Ist getreidefreies Trockenfutter besser als normales Trockenfutter? Nicht zwangsläufig. Trockenfutter braucht Stärke als Bindemittel – fällt Getreide weg, kommen Kartoffel, Erbse oder Tapioka hinein. Der Kohlenhydratgehalt bleibt oft ähnlich hoch. Wichtiger als „getreidefrei“ ist ein hoher tierischer Anteil.
Kann getreidefreies Futter meiner Katze schaden? In der Regel nicht, sofern es ein vollwertiges Alleinfuttermittel nach FEDIAF-Standard mit ausreichend Taurin ist. Schädlich wird Ernährung eher durch einseitige oder unausgewogene Rezepturen – unabhängig vom Getreide-Label.
Mein Futter heißt „getreidefrei“ – ist das ein Qualitätsbeweis? Nein. „Getreidefrei“ ist ein Marketing- und Weglass-Begriff, kein geprüftes Qualitätssiegel. Beurteile das Futter über Zutatenliste, Fleischanteil und Deklaration, nicht über das Schlagwort auf der Vorderseite.
Quellen: FEDIAF (European Pet Food Industry Federation) – Nutritional Guidelines for Cats; Bundesverband praktizierender Tierärzte (bpt); International Cat Care.
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Dieser Beitrag wurde von der petklar-Redaktion nach unseren redaktionellen Grundsätzen recherchiert.